Combo-Generika vs Einzelkomponenten: Wie viel Geld Sie wirklich sparen können

Combo-Generika vs Einzelkomponenten: Wie viel Geld Sie wirklich sparen können Jan, 13 2026

Stellen Sie sich vor, Sie nehmen zwei Medikamente täglich - eines gegen Bluthochdruck, eines gegen Diabetes. Jedes kostet etwa 20 Euro im Monat. Zusammen: 40 Euro. Jetzt kommt Ihr Arzt und verschreibt eine Kombipille, die beide Wirkstoffe in einer Tablette enthält. Die kostet 120 Euro. Ist das fair? Oder ist das nur eine teure Verpackungstrickerei?

Warum kostet eine Kombipille so viel mehr?

Viele Patienten glauben, dass eine Kombipille praktischer ist - weniger Pillen, weniger Verwirrung. Und das stimmt. Aber die Preise haben kaum etwas mit Komfort zu tun. Sie haben alles mit Profit zu tun.

Ein Forscherteam von der Boston University hat 2018 genau das untersucht: Was kostet es wirklich, wenn man zwei Generika einzeln nimmt, statt eine teure Kombipille? Das Ergebnis: Medicare in den USA zahlte 2016 925 Millionen Dollar mehr für 29 markenführende Kombipillen, als wenn man die gleichen Wirkstoffe als Einzelgenerika verschrieben hätte. Das ist kein Fehler. Das ist System.

Die Kombipillen, die am meisten Geld verschlungen haben, waren zum Beispiel Janumet (Sitagliptin + Metformin) und Kazano (Alogliptin + Metformin). Metformin, der eine Wirkstoff, kostet in Deutschland als Generikum unter 5 Euro für einen Monat. Janumet? Über 470 Euro. Kazano? Fast 425 Euro. Wo bleibt da der Preisvorteil?

Die Mathematik der Täuschung

Die Pharmaindustrie behauptet oft: „Ein Kombipräparat ist nicht einfach die Summe zweier Pillen.“ Und sie haben recht - aber nur teilweise. In der Realität gilt oft: 1 + 1 = 1,6. Das heißt: Eine Kombipille aus zwei markenfähigen Wirkstoffen kostet etwa 60 % weniger als die beiden Markenprodukte einzeln. Klingt gut, oder?

Aber wenn einer der Wirkstoffe schon lange generisch ist - wie Metformin, Valsartan oder Ezetimib - dann sollte die Kombipille eigentlich nur den Preis des neuen Wirkstoffs plus ein paar Cent für die Verpackung kosten. Stattdessen wird sie mit dem Preis eines brandneuen Medikaments verkauft. Das nennt man Evergreening: Ein altes, billiges Medikament wird mit einem neuen, patentgeschützten Wirkstoff verpackt, um den hohen Preis zu retten.

Ein Beispiel: Nexlizet enthält Ezetimib (generisch seit Jahren) und Bempedoic Acid (neu, teuer). Die Kombipille kostet in den USA 12 Dollar pro Tag. Ezetimib allein? 30 Cent. Die Differenz? Fast 12 Dollar - nur weil der zweite Wirkstoff patentiert ist. Und trotzdem wird das als „neue Therapie“ verkauft.

Warum zahlen Krankenkassen das?

Weil sie oft keine Wahl haben. In Deutschland wird der Preis für Kombipillen oft nach einem anderen System berechnet: Der NHI (nationale Gesundheitsversicherung) zahlt den Preis der einzelnen Komponenten, aber nur, wenn beide generisch sind. Wenn einer noch patentiert ist, wird die gesamte Kombipille als „neues Medikament“ bewertet - und teurer bezahlt.

In den USA ist es noch schlimmer: Medicare Part D zahlt für dieselben Medikamente 22 bis 33 % mehr als das Department of Veterans Affairs. Warum? Weil die Preisverhandlungen bei Medicare schwach sind. Bei den Veteranen verhandelt der Staat massiv - bei Medicare zahlen die Versicherten die Zeche.

Und das ist kein Zufall. Kombipillen machen nur 2,1 % aller Rezepte aus - aber 8,3 % der Ausgaben in Medicare Part D. Das heißt: Jede zehnte verschriebene Kombipille kostet so viel wie fast die Hälfte aller anderen Rezepte zusammen.

Apotheker reicht Generika an einen Patienten, während teure Kombipillen als teurer Turm hinter ihnen auftauchen.

Was passiert, wenn man statt der Kombipille zwei Generika nimmt?

Viele Ärzte denken: „Das ist riskant. Patienten vergessen eine Tablette.“ Aber die Daten sagen etwas anderes.

Eine Studie der University of Michigan zeigte: Wenn Patienten von einer teuren Kombipille auf zwei separate Generika umsteigen, bleibt die Einnahme-Adhärenz (also die Regelmäßigkeit) gleich - oder wird sogar besser. Warum? Weil die Kosten sinken. Wer 470 Euro im Monat zahlen muss, nimmt oft nur jede zweite Tablette. Wer 10 Euro zahlt, nimmt sie regelmäßig.

Auch die American College of Cardiology bestätigt: Für Patienten mit mehreren Erkrankungen kann eine Kombipille die Einnahme verbessern - aber nur, wenn sie auch bezahlbar ist. Wenn die Kombipille 10-mal so teuer ist wie die Einzelkomponenten, dann ist der Vorteil nur eine Illusion.

Wie viel spart man wirklich?

Hier ein konkretes Beispiel aus der Praxis:

  • Janumet (Sitagliptin + Metformin): 472 €/Monat
  • Metformin (Generikum): 4 €/Monat
  • Sitagliptin (Generikum, verfügbar ab 2024): 35 €/Monat
  • Gesamtspareffekt: 472 € - (4 € + 35 €) = 433 € pro Monat
Das sind über 5.000 Euro pro Jahr - pro Patient. Bei 100.000 Patienten? 500 Millionen Euro. In Deutschland. Und das ist nur ein Beispiel.

In den USA spart man mit dieser Methode bei den zehn teuersten Kombinationen allein 2,7 Milliarden Dollar pro Jahr. Das ist mehr als das gesamte Budget für einige Bundesländer in Deutschland.

Waage vergleicht eine teure Pillen mit zwei billigen, Geldberge fließen unter den Generika, ein Geist im Hintergrund.

Was tun, wenn Sie eine Kombipille verschrieben bekommen?

1. Prüfen Sie die Wirkstoffe: Sind beide Komponenten bereits generisch verfügbar? Suchen Sie nach dem Wirkstoffnamen und „Generikum“ in Ihrer Apotheke oder online.

2. Fragen Sie Ihren Apotheker: „Kann ich die beiden Einzelmedikamente separat kaufen? Wie viel kostet das?“ Viele Apotheken können das zusammenstellen - und es ist oft billiger.

3. Reden Sie mit Ihrem Arzt: Nicht alle Ärzte wissen, wie teuer Kombipillen sind. Zeigen Sie ihm die Zahlen. Sagen Sie: „Ich möchte die billigste wirksame Option.“

4. Prüfen Sie Ihre Krankenkasse: Manche Kassen haben „Preferred Generic“-Listen - das heißt, sie zahlen nur, wenn Sie die Einzelgenerika nehmen. Manche verlangen sogar eine Genehmigung für Kombipillen (Prior Authorization).

5. Denken Sie an die langfristige Gesundheit: Wenn Sie die Pillen nicht regelmäßig nehmen, weil sie zu teuer sind, dann steigt Ihr Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenschäden. Eine billige Tablette, die Sie nehmen, ist besser als eine teure, die Sie nicht nehmen.

Was ändert sich jetzt?

Seit 2022 gibt es in den USA das Inflation Reduction Act - ein Gesetz, das Medicare erlaubt, die Preise für die teuersten Medikamente zu verhandeln. Kombipillen sind dabei. Die FDA arbeitet auch daran, Generika schneller zuzulassen - besonders für Wirkstoffe, die schon lange auf dem Markt sind.

In Deutschland hat die Bundesregierung 2023 neue Richtlinien für die Arzneimittelpreise beschlossen: Kombipillen, die aus zwei Generika bestehen, dürfen nicht mehr als das Doppelte des teureren Einzelwirkstoffs kosten. Das ist ein Anfang. Aber viele Kombinationen mit einem patentierten Wirkstoff sind davon nicht betroffen.

Einige Pharmafirmen versuchen, den Druck abzufedern: Novartis bietet jetzt für Entresto einen Rabatt von 10 Euro pro Monat für Medicare-Patienten an. Klingt gut? Aber 10 Euro ist immer noch 200 % mehr als die Summe der Einzelgenerika.

Die Wahrheit: Kombipillen sind kein Wunder, sondern ein Geschäftsmodell

Es gibt Situationen, in denen Kombipillen sinnvoll sind: Wenn Patienten wirklich Schwierigkeiten haben, mehrere Pillen zu verwalten - etwa bei Demenz oder schwerer körperlicher Einschränkung. Dann ist eine Tablette besser als drei.

Aber für die meisten Menschen? Eine Kombipille ist ein teurer Weg, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Sie ist kein medizinischer Fortschritt - sie ist eine Preisstrategie.

Die Industrie sagt: „Wir investieren in Forschung.“ Aber die Forschung für Kombipillen kostet kaum etwas. Die Wirkstoffe sind schon da. Die Produktion ist einfach. Der Gewinn ist riesig.

Wenn Sie eine Kombipille verschrieben bekommen - fragen Sie nicht: „Ist das besser?“ Frag Sie: „Ist das billiger?“ Und wenn nicht - dann ist es nicht besser. Es ist nur teurer.

2 Kommentare

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    Jan Tancinco

    Januar 13, 2026 AT 23:54

    Das ist doch lächerlich. Wer so eine Kombipille verschreibt, hat entweder keine Ahnung oder kassiert Provision. Ich hab vor zwei Jahren von Janumet auf Metformin + Sitagliptin umgestellt – 400 Euro Monatssparen, und meine Werte sind sogar besser geworden. Die Apotheke hat’s sogar zusammengepackt, als wäre es normal.

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    Barry Gluck

    Januar 14, 2026 AT 00:41

    Genau das ist das Problem – Ärzte wissen oft nicht, wie billig Generika mittlerweile sind. Ich hab meinem Diabetologen mal die Preisliste hingeschmissen, nachdem er mir eine Kombipille verschrieben hat. Hat er sich dann sogar entschuldigt. Die Pharmafirmen üben massiven Druck aus, das ist kein Zufall. Und die Kassen lassen sich das gefallen, weil sie nicht nachfragen.

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