Warum Sie Ihre Nahrungsergänzungsmittel und Kräuterpräparate Ihrem Arzt offenlegen müssen
Jan, 19 2026
Stellen Sie sich vor: Sie nehmen täglich Kurkuma gegen Gelenkschmerzen, St. John’s Wort gegen leichte Depressionen und Magnesium für besseren Schlaf. Alles natürlich, alles ohne Rezept. Und Ihr Arzt weiß davon nichts. Das ist kein Einzelfall - es ist die Regel. Laut Studien geben weniger als 35 % der Menschen in den USA ihren Ärzten Bescheid, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel oder Kräuterpräparate einnehmen. Und das, obwohl diese Substanzen genauso wirken wie Medikamente - und genauso gefährlich sein können, wenn sie mit anderen Stoffen kombiniert werden.
Was Sie wirklich einnehmen, weiß Ihr Arzt oft nicht
Viele Menschen denken: „Das ist doch nur ein Kraut“ oder „Das ist doch kein echtes Medikament“. Aber das ist ein gefährlicher Irrtum. St. John’s Wort, ein beliebtes Mittel gegen Stimmungsschwankungen, kann die Wirkung von Antibabypillen, Blutverdünner wie Warfarin oder Antidepressiva um bis zu 50 % schwächen. Kurkuma, das als entzündungshemmend gilt, kann die Wirkung von Blutdruckmedikamenten verstärken - und plötzlich fällt Ihr Blutdruck zu tief. Diese Wechselwirkungen sind nicht hypothetisch. Sie passieren jeden Tag - und viele davon bleiben unentdeckt, weil der Arzt nie nachfragt.
Und warum sagen Patienten es nicht? Die Gründe sind vielfältig. Einige glauben, ihr Arzt würde sie verurteilen. Andere denken, Ärzte würden sowieso nichts darüber wissen. Einige sagen: „Er hat nie gefragt.“ Und das ist der Kern des Problems: Ärzte fragen selten. Eine Umfrage unter 1.200 Ärzten ergab, dass nur 27 % sich ausreichend über Nahrungsergänzungsmittel auskennen. Die meisten haben in der medizinischen Ausbildung kaum etwas dazu gelernt. Und in einer 15-minütigen Sprechstunde ist die Zeit knapp - da geht es erst mal um Blutdruck, Cholesterin, Diabetes. Was bleibt, ist die Annahme: „Wenn es wichtig wäre, würde er schon fragen.“
Die Risiken sind real - und oft schwerwiegend
Ein Fall aus der Praxis: Eine 68-jährige Frau nahm täglich Ginkgo-Biloba-Extrakt, weil sie dachte, es helfe gegen Vergesslichkeit. Sie hatte auch Blutverdünner verschrieben bekommen. Während einer Operation kam es zu schweren Blutungen - sie brauchte eine Transfusion. Der Chirurg fand erst nach der Operation heraus, dass sie Ginkgo einnahm. Sie hatte es nie erwähnt. Der Arzt hatte nicht danach gefragt.
Das ist kein Einzelfall. Die FDA erfasst nur etwa 1 % der schwerwiegenden Nebenwirkungen durch Nahrungsergänzungsmittel - weil sie nicht gemeldet werden. Und die Hersteller müssen nicht beweisen, dass ihre Produkte sicher sind, bevor sie verkauft werden. Das ist ein Gesetz aus dem Jahr 1994 - das Dietary Supplement Health and Education Act (DSHEA). Es erlaubt, dass Tausende von Produkten ohne Prüfung auf dem Markt sind. Einige enthalten sogar versteckte, rezeptpflichtige Medikamente - wie in einigen „natürlichen“ Schlafmitteln oder „Power-Boostern“.
Was viele nicht wissen: Die FDA hat mittlerweile eine Liste mit 172 Inhaltsstoffen, die als potenziell gefährlich gelten - das sind 70 mehr als vor fünf Jahren. Und trotzdem kaufen Menschen sie weiter - ohne zu wissen, was drin ist.
Wie Sie Ihre Ärzte richtig informieren
Die Lösung ist einfach - aber sie liegt bei Ihnen. Sie müssen es sagen. Und zwar vor jeder Untersuchung, vor jeder Operation, vor jeder neuen Verschreibung. Und nicht nur sagen - zeigen.
Bringen Sie Ihre Flaschen mit. Ja, wirklich. Die Etiketten enthalten die genauen Inhaltsstoffe, Mengen und Hersteller. Ein Arzt kann nicht erraten, ob Ihr „Turmeric Supplement“ 500 mg oder 1.500 mg Kurkumin enthält. Er braucht die genaue Information, um zu wissen, ob es mit Ihrem Blutdruckmittel kollidiert. Einige Ärzte haben sogar spezielle Listen oder Apps, mit denen Patienten ihre Einnahme dokumentieren können - wie die „MyMedList“-App, die in einer Studie die Melderate um 44 % erhöhte.
Wenn Sie Angst haben, verurteilt zu werden: Sagen Sie einfach: „Ich nehme das, weil ich dachte, es ist sicher. Ich möchte wissen, ob es mit meinen Medikamenten passt.“ Das ist kein Eingeständnis von Unwissenheit - das ist verantwortungsbewusstes Handeln. Und die meisten Ärzte reagieren positiv. 78 % der Patienten, die ihre Ergänzungsmittel erwähnten, berichteten, dass ihr Arzt hilfreiche Tipps gab - und ihr Vertrauen in die Behandlung stieg.
Was Ihr Arzt tun sollte - und warum er es oft nicht tut
Ärzte sollten nach Nahrungsergänzungsmitteln fragen - wie sie nach Medikamenten, Alkohol oder Nikotin fragen. Aber sie tun es nicht. Warum? Weil sie nicht ausgebildet sind. Weil es in den Leitlinien nicht steht. Weil sie keine Zeit haben. Aber das ändert sich langsam. Die American Medical Association hat 2022 beschlossen, dass Medizinstudenten ab sofort Pflichtkurse über Nahrungsergänzungsmittel und Wechselwirkungen erhalten müssen. In Zukunft wird es Standard sein, dass Ärzte bei jeder Anamnese fragen: „Welche Vitamine, Kräuter oder Ergänzungsmittel nehmen Sie?“
Einige Praxen haben schon jetzt ein einfaches 5-Fragen-Tool eingeführt:
- Welche Vitamine oder Mineralstoffe nehmen Sie regelmäßig?
- Welche Kräuter, Pflanzenextrakte oder Nahrungsergänzungsmittel verwenden Sie?
- Warum nehmen Sie diese? (z. B. Schlaf, Energie, Gelenke)
- Haben Sie schon Nebenwirkungen bemerkt?
- Wurde Ihnen von jemandem empfohlen - und von wem?
Wenn Sie diese Fragen vorab beantworten - zum Beispiel in einem Zettel oder in der App - sparen Sie Zeit. Und Ihr Arzt kann besser helfen.
Was Sie über Etiketten wissen müssen
Alle legalen Nahrungsergänzungsmittel in den USA müssen ein „Supplement Facts“-Panel haben - mit der Liste der Inhaltsstoffe, der Dosierung und einem Warnhinweis: „Not evaluated by the FDA. Not intended to diagnose, treat, cure, or prevent any disease.“
Das bedeutet: Der Hersteller hat nicht bewiesen, dass das Produkt wirkt. Und die FDA hat es nicht geprüft. Der Hinweis ist nicht nur Formalität - er ist ein Schutz für den Hersteller. Und ein Warnsignal für Sie: Wenn jemand sagt, „das ist ein natürliches Heilmittel“, dann ist das kein Garant für Sicherheit. Es ist ein Hinweis darauf, dass es nicht kontrolliert ist.
Einige Produkte enthalten sogar versteckte Wirkstoffe - wie Sildenafil (wie Viagra) in „Manneskraft“-Präparaten oder Steroide in „Muskelwachstum“-Shakes. Diese werden oft nicht auf dem Etikett aufgeführt. Deshalb ist es so wichtig, die Flasche mitzubringen - nicht nur den Namen zu nennen.
Warum das wichtig ist - besonders bei chronischen Krankheiten
Wenn Sie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Depressionen haben, sind Sie besonders gefährdet. Denn Sie nehmen bereits mehrere Medikamente. Jede zusätzliche Substanz kann die Wirkung verstärken, abschwächen oder neue Nebenwirkungen auslösen. Eine Studie zeigte: Patienten mit mehr als drei chronischen Erkrankungen nehmen im Durchschnitt fünf Nahrungsergänzungsmittel ein - und nur 21 % davon sagen es ihrem Arzt.
Und das ist lebensgefährlich. Ein Patient mit Herzinsuffizienz, der Magnesium nimmt, könnte plötzlich einen Herzrhythmusstörung bekommen. Ein Krebspatient, der Curcumin einnimmt, könnte die Wirkung von Chemotherapie reduzieren. Ein Diabetiker, der Ginseng nimmt, könnte seine Blutzuckerwerte völlig durcheinanderbringen. Kein Arzt kann das verhindern - wenn er nicht weiß, was Sie nehmen.
Was passiert, wenn Sie es sagen - und was, wenn Sie es nicht sagen
Wenn Sie es sagen:
- Ihr Arzt kann Wechselwirkungen vermeiden
- Er kann Ihnen sagen, ob etwas sinnvoll ist - oder ein Geldverschwendung
- Er kann Ihre Therapie optimieren - vielleicht sogar Medikamente abschaffen
- Sie bauen Vertrauen auf - und bekommen bessere Betreuung
Wenn Sie es nicht sagen:
- Ein Medikament wirkt nicht - weil ein Kraut es blockiert
- Ein Nebenwirkung tritt auf - und niemand weiß warum
- Bei einer Operation kommt es zu unerwarteten Blutungen
- Ein Krankenhausaufenthalt wird nötig - weil es vermeidbar war
Es ist nicht nur eine Frage der Sicherheit. Es ist eine Frage der Qualität Ihrer Behandlung. Sie haben das Recht, die beste Versorgung zu bekommen. Und dafür braucht Ihr Arzt alle Informationen - nicht nur die, die er vermutet.
Was Sie jetzt tun können
Beginnen Sie heute. Machen Sie eine Liste: Was nehmen Sie? Wie viel? Wann? Warum? Bringen Sie die Flaschen zur nächsten Sprechstunde mit. Sagen Sie es direkt: „Ich nehme diese Ergänzungsmittel - ich möchte wissen, ob sie mit meinen Medikamenten verträglich sind.“
Und wenn Ihr Arzt sagt: „Das ist doch nur ein Kraut“ - dann sagen Sie zurück: „Ich weiß. Aber es wirkt. Und ich möchte sicher sein, dass es nicht schadet.“
Denn Ihre Gesundheit ist kein Spiel mit Zufall. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen - und Sie haben die Macht, diese Entscheidungen richtig zu treffen. Indem Sie offen sind, schützen Sie sich - und geben Ihrem Arzt die Chance, Sie wirklich zu helfen.