Eosinophile Ösophagitis: Lebensmitteltrigger und Steroid-Slurries
Jan, 26 2026
Eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische Entzündung der Speiseröhre, die durch eine übermäßige Ansammlung von Eosinophilen - einer Art weißer Blutkörperchen - verursacht wird. Diese Zellen reagieren auf bestimmte Lebensmittel oder Umweltallergene, als würde der Körper sie angreifen. Das Ergebnis: Schmerzen beim Schlucken, ein Gefühl von Essen, das stecken bleibt, und manchmal sogar ernsthafte Verengungen der Speiseröhre. Bis vor wenigen Jahren wurde EoE oft mit Sodbrennen verwechselt. Heute wissen wir: Es ist eine eigene, allergiebedingte Krankheit - und sie wird immer häufiger diagnostiziert.
Was genau passiert in der Speiseröhre?
Bei EoE dringen Eosinophile in die Wand der Speiseröhre ein und lösen eine dauerhafte Entzündung aus. Normalerweise sind diese Zellen nur in der Lunge oder im Darm aktiv, um Parasiten zu bekämpfen. Bei EoE reagieren sie auf harmlose Lebensmittelproteine - besonders auf Milch, Ei, Weizen, Soja, Fisch und Nüsse. Die Entzündung macht die Speiseröhre steif und verliert ihre Fähigkeit, Nahrung sanft nach unten zu transportieren. Viele Betroffene beschreiben es als „Kloß im Hals“, der nicht verschwindet, egal wie viel sie trinken. Einige leiden unter Brustschmerzen, die wie Herzprobleme wirken. Kinder zeigen oft Appetitlosigkeit, Erbrechen oder Wachstumsstörungen.
Die wichtigsten Lebensmitteltrigger: Was wirklich auslöst
Früher dachte man, man müsse sechs Lebensmittelgruppen gleichzeitig streichen, um Erfolg zu haben: Milch, Ei, Weizen, Soja, Fisch und Nüsse. Das ist der sogenannte Sechs-Lebensmittel-Eliminationsplan (6FED). Er funktioniert - bei 65 bis 80 % der Kinder und etwa 60 % der Erwachsenen. Aber er ist extrem restriktiv. Wer alles streicht, was mit diesen Lebensmitteln zu tun hat, verliert schnell den Überblick. Die Ernährung wird monoton, soziale Treffen werden zur Belastung.
Ein bahnbrechender Fund aus dem Jahr 2022 veränderte alles: Die Eliminierung von Milch allein führte bei 64 % der Erwachsenen zur Remission - fast genauso gut wie die komplette Sechs-Lebensmittel-Diät. Das ist kein Zufall. Milchproteine, besonders Casein, sind die häufigsten Auslöser. In den USA, Kanada und Europa ist Milch bei mehr als 70 % der EoE-Patienten der Haupttrigger. In Spanien oder Italien kommen Soja und Hülsenfrüchte häufiger vor, aber in den meisten Regionen bleibt Milch der Schlüssel.
Warum funktionieren Haut- oder Bluttests nicht? Weil EoE keine klassische Allergie ist. Bei einer Nussallergie reagiert der Körper sofort mit Ausschlag oder Atemnot. Bei EoE dauert es Tage, bis die Entzündung auftritt. Die Tests zeigen oft falsch negative Ergebnisse. Die einzige sichere Methode, um den Auslöser zu finden: Lebensmittel streichen - warten - dann einzeln wieder einführen - und mit einer Magenspiegelung prüfen, ob die Eosinophilen zurückgegangen sind. Nur dann weiß man sicher, was wirklich schlimm ist.
Steroid-Slurries: Wie Medikamente direkt in der Speiseröhre wirken
Wenn Diäten zu schwierig werden - oder wenn Symptome zu stark sind - kommen Steroid-Slurries ins Spiel. Das sind keine Inhalatoren. Das sind flüssige oder dickflüssige Medikamente, die man schluckt, nicht einatmet. Die beiden gängigsten sind Fluticason (Flovent) und Budesonid (Pulmicort). Beide werden mit einem Esslöffel Wasser, Honig oder Apfelmus vermischt. Die Mischung wird im Mund behalten, dann langsam heruntergeschluckt. So bleibt das Medikament direkt an der entzündeten Speiseröhre haften - und wirkt dort, wo es gebraucht wird.
Das ist kein Zufall. Wenn man diese Medikamente wie Asthma-Sprays einatmet, landen sie im Lungenbereich. Bei EoE muss das Medikament aber in der Speiseröhre wirken. Deshalb ist die richtige Anwendung entscheidend. 35 % der Patienten machen es falsch - sie spucken es aus, schlucken es zu schnell oder mischen es mit zu viel Flüssigkeit. Das reduziert die Wirkung. Budesonid-Slurry (Jorveza) ist seit Januar 2023 speziell für EoE zugelassen. In Studien half es 64 % der Patienten - im Vergleich zu nur 2 % bei Placebo.
Die Vorteile? Symptome bessern sich oft innerhalb von zwei bis vier Wochen. Schlucken wird wieder möglich. Die Nachteile? Mundsoor (Candida-Infektion) tritt bei 15 % auf. Das ist ein weißer Belag auf Zunge und Rachen. Man kann ihn mit Mundspülungen oder einer leichten Antipilzbehandlung bekämpfen. Ein weiteres Problem: Der Geschmack. 78 % der Patienten finden die Slurries unangenehm. Budesonid schmeckt nach bitterem Pulver, Fluticason nach chemischem Honig. Viele brechen die Therapie ab - obwohl sie helfen würde.
Diät vs. Medikamente: Was ist besser?
Es gibt keine „bessere“ Therapie. Es gibt nur die, die für dich funktioniert.
Diäten haben den großen Vorteil: Keine Medikamente. Keine Nebenwirkungen. Keine Abhängigkeit. Und wenn du den Auslöser findest, kannst du ihn einfach meiden. Aber es ist ein Marathon. Du musst alles aufschreiben, was du isst. Du musst dich mit Ernährungsberatern austauschen. Und du musst Geduld haben - sechs bis acht Wochen ohne Milch, bevor du sie wieder probierst. Viele geben auf. 62 % der Patienten sagen, sie können die Diät langfristig nicht durchhalten. Und 40 % erleben einen Rückfall, sobald sie den Auslöser wieder einführen.
Steroid-Slurries sind schneller. In zwei Wochen spürst du den Unterschied. Aber du musst sie jeden Tag nehmen - oft für drei bis sechs Monate. Und du musst nach jeder Einnahme den Mund ausspülen, sonst bekommst du Soor. Auch hier gibt es Rückfälle, wenn du die Therapie absetzt. Die Medikamente heilen nicht. Sie unterdrücken die Entzündung - aber sie ändern nichts an der zugrunde liegenden Allergie.
Die beste Lösung? Kombination. Starte mit einer Milch-eliminierten Diät. Wenn sich die Symptome nach sechs Wochen nicht bessern, füge Budesonid-Slurry hinzu. Wenn du Erfolg hast - und die Speiseröhre wieder gesund ist - kannst du versuchen, die Medikamente langsam abzusetzen. Die Diät bleibt dann deine langfristige Strategie.
Was kommt als Nächstes? Neue Therapien und Hoffnung
Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Seit Mai 2023 ist Dupilumab (Dupixent) in den USA zugelassen - ein Biologikum, das den Entzündungsweg blockiert, der bei EoE überaktiv ist. In Studien erreichte es bei mehr als 60 % der Erwachsenen eine Remission. Es wird als Spritze verabreicht - einmal alle zwei Wochen. Keine Diät. Kein Schlucken von bitterer Flüssigkeit. Aber: Es ist teuer. Und nicht überall zugelassen. In Deutschland und der Schweiz ist es noch nicht verfügbar, aber die Zulassung wird für 2026 erwartet.
Forscher arbeiten auch an Tests, die sagen können, welches Lebensmittel dein Auslöser ist - ohne dass du alles streichen musst. Die sogenannte „komponentenbasierte Diagnostik“ analysiert spezifische Proteine in Milch, Ei oder Soja. Vielleicht wirst du bald einen Bluttest machen, der dir sagt: „Dein Körper reagiert nur auf Casein, nicht auf Laktose.“ Dann musst du nur Milchprodukte mit Casein meiden - nicht alle Milchprodukte.
Ein weiterer Fortschritt: Die „EoE-Food-Pantry“ in Cincinnati. Seit März 2023 verteilt sie kostenlos hypoallergene Lebensmittel an Patienten, die sich die teuren Spezialnahrung nicht leisten können. Das ist kein Luxus - das ist Überleben. Denn eine Diät ohne Milch, Ei und Weizen ist teuer. Und wer kein Geld hat, bleibt krank.
Was kannst du tun? Ein praktischer Leitfaden
Wenn du oder jemand, den du kennst, EoE hat - hier ist, was wirklich hilft:
- Starte mit Milch streichen. Kein Käse, keine Joghurt, keine Butter, keine Milch in Kaffee oder Suppen. 6-8 Wochen durchhalten.
- Beobachte deine Symptome. Schreibe auf: Wann hast du Schmerzen? Wann kannst du besser schlucken? Ein Tagebuch ist deine beste Waffe.
- Mach eine Magenspiegelung. Nur eine Endoskopie mit Gewebeprobe kann bestätigen, ob die Entzündung zurückgegangen ist. Ohne das weißt du nicht, ob die Diät funktioniert.
- Wenn es nicht hilft: Sprich mit deinem Arzt über Budesonid-Slurry. Frag nach Jorveza. Frag nach der richtigen Anwendung: 220 Mikrogramm mit 2-3 ml Wasser oder Honig - im Mund halten, dann schlucken. Nicht spülen, nicht ausspucken.
- Gehe nicht allein. Die American Partnership for Eosinophilic Disorders (APFED) bietet Ernährungsberatung an. Online-Gruppen wie Reddit r/EoE haben 8.000 Mitglieder - viele von ihnen haben es geschafft. Lerne von ihnen.
Es ist kein leichter Weg. Aber er ist machbar. Viele Menschen, die vor drei Jahren noch jede Mahlzeit als Kampf sahen, essen heute wieder Pizza, Nudeln oder Sandwiches - weil sie ihren Auslöser gefunden haben. Und sie leben ohne Medikamente. Du kannst das auch.
Ist Eosinophile Ösophagitis eine Allergie?
Ja, aber nicht wie eine klassische Nuss- oder Pollenallergie. Bei EoE reagiert das Immunsystem auf Lebensmittelproteine, aber die Reaktion ist langsam und verursacht eine chronische Entzündung in der Speiseröhre - nicht sofortige Symptome wie Atemnot oder Ausschlag. Es ist eine spezifische Form von Nahrungsmittelallergie, die sich nur in der Speiseröhre zeigt.
Kann man EoE heilen?
Derzeit nicht vollständig. Aber man kann die Krankheit in Remission bringen - das heißt, die Entzündung verschwindet, die Symptome hören auf, und die Speiseröhre heilt. Viele Menschen erreichen eine dauerhafte Remission, wenn sie ihren Auslöser identifizieren und meiden. Die Krankheit bleibt aber latent - ein falsches Lebensmittel kann sie zurückbringen.
Warum hilft eine Milch-eliminierte Diät oft genauso gut wie eine Sechs-Lebensmittel-Diät?
Weil Milch bei 70 % der EoE-Patienten der Haupttrigger ist. Die Proteine in Milch - besonders Casein - sind besonders entzündungsfördernd für die Speiseröhre. Studien zeigen, dass das Entfernen von Milch allein genauso wirksam ist wie das Streichen von sechs Lebensmitteln. Das bedeutet: Du musst nicht alles aufgeben. Du musst nur die eine Sache meiden, die dir schadet.
Was ist ein Steroid-Slurry und wie nimmt man ihn richtig ein?
Ein Steroid-Slurry ist eine flüssige oder dickflüssige Mischung aus einem Kortikosteroid (z. B. Budesonid) und Wasser, Honig oder Apfelmus. Man nimmt ihn nicht ein, sondern schluckt ihn. Die richtige Methode: 2-3 ml der Mischung in den Mund nehmen, 30 Sekunden lang halten, dann langsam schlucken. Danach nicht sofort trinken oder den Mund ausspülen - das würde das Medikament aus der Speiseröhre spülen. Stattdessen: Nach der Einnahme den Mund mit Wasser ausspülen, um Mundsoor zu verhindern.
Warum sind Haut- und Bluttests bei EoE oft nutzlos?
Weil EoE keine IgE-vermittelte Allergie ist. Haut- und Bluttests messen die schnellen, allergischen Reaktionen - aber EoE ist eine verzögerte, T-Zell-vermittelte Entzündung. Die Tests zeigen oft keine Reaktion, obwohl das Lebensmittel die Speiseröhre schädigt. Nur eine gezielte Eliminationsdiät mit anschließender Wiedereinführung und einer Endoskopie kann den echten Auslöser finden.
Wie lange dauert es, bis eine Diät wirkt?
Symptomatische Besserung kann nach 2-4 Wochen eintreten, aber die Entzündung in der Speiseröhre braucht 6-8 Wochen, um sich zu beruhigen. Eine Magenspiegelung mit Gewebeprobe ist nötig, um sicherzustellen, dass die Anzahl der Eosinophilen unter 15 pro Hochleistungs-Feld gesunken ist - das ist der medizinische Nachweis für Remission.
Können Kinder auch mit Steroid-Slurries behandelt werden?
Ja. Budesonid-Slurry ist bei Kindern und Erwachsenen zugelassen. Bei Kindern ist die Diät oft die erste Wahl - weil sie keine Medikamente brauchen. Aber wenn die Symptome schwer sind oder die Diät nicht funktioniert, ist Budesonid eine sichere und wirksame Option. Die Dosierung wird an das Gewicht angepasst.
Was passiert, wenn man die Diät abbricht?
Wenn du den Auslöser wieder isst - besonders Milch - kehrt die Entzündung in der Regel innerhalb von Wochen zurück. Die Symptome kommen zurück: Schluckbeschwerden, Brustschmerzen, sogar Verengungen der Speiseröhre. Das bedeutet nicht, dass du versagt hast. Es bedeutet nur, dass du einen Trigger hast, den du meiden musst - wie bei einer Glutenunverträglichkeit.
luis stuyxavi
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