Opioid-induzierte Verstopfung behandeln: Peripher wirksame Mu-Antagonisten
Jan, 23 2026
Kostenrechner für Opioid-induzierte Verstopfung
Behandlungskosten für Opioid-induzierte Verstopfung
Erfahren Sie, wie viel die Behandlung mit PAMORAs kostet und welchen Anteil Sie zahlen müssen.
Wenn Menschen starke Schmerzmittel wie Morphin, Oxycodon oder Fentanyl einnehmen, leiden viele unter einer unangenehmen Nebenwirkung: opioidinduzierte Verstopfung. Bis zu 80 % der Patienten mit chronischem Schmerz oder Krebs erleben sie so stark, dass sie ihre Schmerztherapie abbrechen. Traditionelle Abführmittel helfen oft nicht - Laxantien wirken bei dieser Form der Verstopfung in weniger als 30 % der Fälle. Doch es gibt eine gezielte Lösung: peripher wirksame Mu-Antagonisten, kurz PAMORAs.
Was ist opioidinduzierte Verstopfung?
Opioidinduzierte Verstopfung (OIC) ist keine gewöhnliche Verstopfung. Sie entsteht, weil Opioid-Medikamente an Mu-Rezeptoren im Darm binden. Diese Rezeptoren steuern die Darmbewegungen, die Flüssigkeitsaufnahme und die Sekretion von Verdauungssäften. Wenn sie blockiert werden, verlangsamt sich die Darmtätigkeit dramatisch. Der Stuhl wird trocken, hart und bleibt liegen. Die Patienten fühlen sich voll, haben Krämpfe und kommen nicht mehr zur Toilette - trotz ausreichender Flüssigkeits- und Ballaststoffzufuhr.
Dies ist kein Nebeneffekt, den man einfach ignorieren kann. Langfristig kann OIC zu ernsthaften Komplikationen führen: Darmverschluss, Rektalprolaps oder sogar stationäre Behandlungen. Viele Patienten geben deshalb ihre Schmerztherapie auf - und das, obwohl sie Schmerzen brauchen, um leben zu können.
Wie funktionieren PAMORAs?
PAMORAs sind speziell entwickelte Medikamente, die nur im Körper, nicht im Gehirn wirken. Sie blockieren die Mu-Opioid-Rezeptoren im Darm, aber sie können nicht über die Blut-Hirn-Schranke gelangen. So bleibt die schmerzlindernde Wirkung der Opioidmedikamente erhalten - nur die Verstopfung wird aufgehoben.
Drei Wirkstoffe sind in Deutschland und den USA zugelassen: Methylnaltrexon, Naloxegol und Naldemedin. Alle drei haben unterschiedliche chemische Aufbauten, aber denselben Ziel: den Darm zu befreien, ohne die Schmerztherapie zu beeinträchtigen.
- Methylnaltrexon (Relistor): Ein quaternärer Ammoniumverbindung mit einer Molekülmasse von 429,32 g/mol. Seine elektrische Ladung verhindert, dass es ins Gehirn gelangt. Es wird als Injektion (0,15 mg/kg) oder als Tablette (450 mg) verabreicht. Es wird nicht über die Leber abgebaut - das macht es sicher bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente.
- Naloxegol (Movantik): Ein veränderter Naloxon-Wirkstoff mit einer Polyethylenglykol-Kette. Seine Molekülmasse beträgt 503,62 Da. Es wird täglich als Tablette (25 mg) eingenommen und hat eine Halbwertszeit von 8-13 Stunden.
- Naldemedin (Symproic): Ähnlich wie Naloxegol, aber mit einer anderen chemischen Struktur. Es wird als 0,2-mg-Tablette täglich eingenommen und hat eine Halbwertszeit von etwa 11 Stunden.
Wie wirksam sind sie?
Klinische Studien zeigen klare Ergebnisse. Bei Patienten mit chronischem Schmerz oder Krebs:
- Methylnaltrexon: 52,4 % der Patienten hatten innerhalb von 4 Stunden einen Stuhlgang - gegenüber 30,2 % bei Placebo (n=330, p<0,001).
- Naloxegol: 44,4 % erreichten spontane Stuhlgänge nach 12 Wochen (n=1.352, p<0,001).
- Naldemedin: 47,6 % hatten eine positive Reaktion - im Vergleich zu 34,6 % mit Placebo (n=1.175, p<0,001).
Das ist kein geringer Erfolg. Diese Zahlen bedeuten, dass fast jeder zweite Patient wieder regelmäßig zur Toilette gehen kann - ohne seine Schmerztherapie abzusetzen.
Wann wird welches Mittel eingesetzt?
Nicht alle PAMORAs sind für alle Patienten geeignet.
- Methylnaltrexon ist das einzige, das sowohl bei Krebspatienten in der Palliativversorgung als auch bei Patienten mit chronischem Schmerz zugelassen ist. Es ist die erste Wahl für viele Ärzte, weil es schnell wirkt und bei schwerer Niereninsuffizienz angepasst werden kann.
- Naloxegol ist nur für chronische Schmerzen zugelassen - nicht für Krebs. Es muss bei leichter bis mittelschwerer Leberinsuffizienz reduziert werden. Bei schwerer Niereninsuffizienz ist es kontraindiziert.
- Naldemedin ist ebenfalls nur für chronische Schmerzen zugelassen. Es hat die geringste Interaktionsrate mit anderen Medikamenten und wird oft bei älteren Patienten bevorzugt.
Alvimopan (Entereg) ist ein weiterer PAMORA - aber er ist nur für Patienten nach Darmoperationen zugelassen. Er darf nicht länger als 15 Tage eingenommen werden und ist wegen Herzrisiken nur in Krankenhäusern verfügbar.
Was sind die Nebenwirkungen?
Die häufigste Nebenwirkung bei allen PAMORAs ist Bauchkrampf - bei bis zu 32 % der Patienten. Andere Nebenwirkungen: Durchfall, Übelkeit, Schweißausbrüche oder Kopfschmerzen. In seltenen Fällen kann es zu einer plötzlichen Darmbewegung kommen - besonders bei der ersten Einnahme. Deshalb wird empfohlen, die erste Dosis unter ärztlicher Aufsicht zu nehmen.
Ein wichtiges Warnsignal: PAMORAs dürfen nicht bei mechanischer Darmverschluss eingenommen werden. Das könnte zu einer lebensbedrohlichen Perforation führen. Vor der ersten Einnahme muss immer sichergestellt werden, dass kein Darmverschluss vorliegt.
Wie wird es richtig eingenommen?
Die Dosierung ist einfach - aber die Timing ist entscheidend.
- Methylnaltrexon-Injektion: Wird subkutan gespritzt, meist einmal täglich. Die erste Injektion erfolgt unter Aufsicht. Danach können Patienten sie selbst verabreichen.
- Methylnaltrexon-Tablette: 450 mg einmal täglich, unabhängig von Mahlzeiten.
- Naloxegol und Naldemedin: Beide als 1-mal-tägliche Tablette, am besten 30-60 Minuten vor der ersten Mahlzeit.
Die beste Wirkung erreicht man, wenn das PAMORA etwa eine Stunde vor dem Höhepunkt der opioiden Schmerzmittelwirkung eingenommen wird. Das ist oft 2-4 Stunden nach der letzten Einnahme. Viele Ärzte unterschätzen dieses Timing - und dann funktioniert das Medikament nicht richtig.
Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance <30 mL/min) muss die Dosis von Methylnaltrexon halbiert werden. Naloxegol ist bei schwerer Niereninsuffizienz verboten.
Wie teuer sind PAMORAs?
Das ist das größte Problem. Ein Jahr PAMORA-Therapie kostet zwischen 5.000 und 6.000 Euro - ohne Versicherung. Selbst mit Krankenkassenunterstützung zahlen Patienten oft 300-450 Euro pro Monat. Viele brechen die Therapie ab, weil sie sich das nicht leisten können.
Ein 67-jähriger Patient mit Osteoarthritis berichtete auf Healthgrades: „Naloxegol hat zwei Wochen funktioniert - dann nicht mehr. 450 Euro im Monat für nichts.“
Auf der anderen Seite: Krebspatienten in Online-Forums wie r/palliativecare berichten, dass Methylnaltrexon ihre Lebensqualität „signifikant verbessert“ hat. 65 % von 120 Befragten sagten, sie könnten endlich wieder normal leben - ohne Schmerzmittel abzusetzen.
Wie steht es um die Zukunft?
Der Markt für OIC-Behandlungen wächst. Er soll bis 2027 auf 4,1 Milliarden US-Dollar ansteigen. Methylnaltrexon hat 2022 einen Marktanteil von 45 % - also fast die Hälfte aller Verkäufe. Naloxegol liegt bei 30 %, Naldemedin bei 25 %.
Neue Entwicklungen laufen: Im Januar 2023 wurde eine neue 300-mg-Tablette von Methylnaltrexon zugelassen - für Patienten, die auf die Standarddosis nicht ansprechen. Die NIH finanziert eine Studie mit einem neuen Kombinationswirkstoff, der gleichzeitig PAMORA- und Serotonin-Wirkung hat. Frühe Ergebnisse zeigen 68 % Wirksamkeit.
Und bald kommen Biosimilars: Ein chinesisches Unternehmen hat bereits Phase-3-Studien für ein Methylnaltrexon-Biosimilar gestartet. Das könnte die Preise drastisch senken.
Dennoch warnen Experten: „Ohne signifikante Preissenkungen bleibt der Zugang für nur 35-40 % der betroffenen Patienten möglich.“ Das ist ein Problem - denn es gibt keine wirkliche Alternative, die so gezielt wirkt.
Was tun, wenn es nicht funktioniert?
Wenn ein PAMORA nach 2-3 Wochen keine Wirkung zeigt, ist es oft nicht das Medikament - sondern die Dosierung oder das Timing. Viele Ärzte beginnen zu niedrig. Eine Studie mit 250 Schmerztherapeuten zeigte: 78 % unterschätzten die Anfangsdosis.
Wenn Methylnaltrexon nicht hilft, kann man auf Naldemedin wechseln - und umgekehrt. Manche Patienten reagieren nur auf einen der drei Wirkstoffe. Es lohnt sich, mehr als einen Versuch zu machen.
Und: PAMORAs sind keine Ersatztherapie für Bewegung, Flüssigkeit oder Ballaststoffe. Sie ergänzen diese Maßnahmen - sie ersetzen sie nicht.
Was ist mit anderen Behandlungen?
Lubiproston (Amitiza) und Linaclotid (Linzess) sind andere Medikamente, die bei Verstopfung helfen. Aber sie wirken nicht gezielt gegen Opioidwirkungen. Sie sind weniger wirksam bei OIC - und haben andere Nebenwirkungen wie starke Durchfälle oder Bauchschmerzen.
Einige Ärzte versuchen, die Opioiddosis zu senken - aber das ist oft keine Option. Wer starke Schmerzen hat, braucht die Medikamente. PAMORAs sind die einzige Lösung, die Schmerz und Darmfunktion gleichzeitig bewahrt.
Wie entscheidet man sich?
Wenn Sie Krebspatient sind - oder eine Palliativtherapie brauchen: Methylnaltrexon ist die erste Wahl. Es ist der einzige PAMORA, der für beide Gruppen zugelassen ist.
Wenn Sie chronischen Schmerz haben und keine Krebsdiagnose: Naloxegol oder Naldemedin sind gleichwertig. Naldemedin hat weniger Wechselwirkungen - ideal bei älteren Patienten mit mehreren Medikamenten. Naloxegol wirkt länger - gut für Patienten, die morgens eine Tablette einnehmen wollen.
Wichtig: Reden Sie mit Ihrem Arzt über die Kosten. Viele Hersteller bieten Rabatte oder Patientenunterstützungsprogramme an. Oft kann man die Therapie mit einem Rabattcoupon auf unter 100 Euro pro Monat bringen.
Und: Geben Sie nicht auf, wenn es nicht sofort funktioniert. Die meisten Patienten brauchen 2-3 Wochen, bis sie die optimale Dosis finden. Es ist kein Versagen - es ist ein Lernprozess.
Frank Boone
Januar 24, 2026 AT 07:10luis stuyxavi
Januar 25, 2026 AT 23:33Yassine Himma
Januar 26, 2026 AT 11:06zana SOUZA
Januar 26, 2026 AT 14:15Filip overas
Januar 28, 2026 AT 00:56Tora Jane
Januar 29, 2026 AT 10:08Jorid Kristensen
Januar 31, 2026 AT 07:38Ivar Leon Menger
Februar 1, 2026 AT 03:45Kari Gross
Februar 2, 2026 AT 11:07Nina Kolbjørnsen
Februar 4, 2026 AT 01:19