Osteoporose bei endokrinen Erkrankungen: FRAX und Bisphosphonate
Jan, 27 2026
Osteoporose bei endokrinen Erkrankungen: Was du wissen musst
Wenn du an Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder Hypogonadismus leidest, dann ist dein Knochenbruchrisiko höher, als du denkst. Oft ist die Knochenmineraldichte (BMD) normal - doch das bedeutet nicht, dass deine Knochen sicher sind. Die echte Gefahr liegt in der veränderten Knochenqualität, die Standard-Tests wie DEXA nicht erfassen. Hier kommt FRAX ins Spiel: ein Werkzeug, das nicht nur die Knochendichte, sondern auch deine Hormonstörung in die Risikoberechnung einbezieht. Und wenn das Risiko hoch genug ist, helfen Bisphosphonate - Medikamente, die seit Jahren bewiesen haben, dass sie Hüftfrakturen um bis zu 70 % reduzieren.
Warum endokrine Erkrankungen die Knochen angreifen
Dein Skelett reagiert empfindlich auf Hormone. Bei Typ-1-Diabetes steigt das Bruchrisiko um das 6- bis 7-Fache, obwohl die Knochendichte oft normal ist. Warum? Der Körper produziert weniger Insulin, das normalerweise Knochenbildung fördert. Gleichzeitig steigt die Entzündung, die Knochen abbaut. Bei unbehandelter Schilddrüsenüberfunktion beschleunigt sich der Knochenumsatz so stark, dass du innerhalb von Jahren 15-20 % mehr Brüche erleidest - selbst bei leichten Formen. Hypogonadismus, egal ob durch Alter, Krebsbehandlung oder genetische Ursachen, führt zu einem jährlichen Knochenverlust von 2-4 %. Das ist so viel wie bei einer Frau nach der Menopause, nur viel schneller.
Was ist FRAX - und warum ist es entscheidend
FRAX ist kein einfacher Fragebogen. Es ist ein Algorithmus, der von der Universität Sheffield entwickelt wurde und seit 2008 in über 120 Ländern als Standard gilt. Du gibst Alter, Geschlecht, BMI, Rauchen, Alkoholkonsum, frühere Brüche, Familienanamnese und Glukokortikoideinnahme ein. Bei endokrinen Erkrankungen fügst du noch deine Diagnose hinzu: Diabetes, Hyperthyreose, Hypogonadismus. FRAX berechnet dann deine 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit für einen schweren Knochenbruch (MOF) oder einen Hüftbruch. Der entscheidende Punkt: Wenn du eine Hormonstörung hast, ist FRAX ohne BMD-Wert oft ungenau - besonders bei Typ-1-Diabetes, wo es das Risiko um bis zu 30 % unterschätzt. Deshalb wird nach FRAX immer eine DEXA-Untersuchung empfohlen, um das Bild zu vervollständigen.
Wann beginnt die Behandlung mit Bisphosphonaten?
Die Regeln sind klar, egal ob du eine endokrine Erkrankung hast oder nicht. Behandlung wird empfohlen, wenn:
- Du bereits einen Hüft- oder Wirbelbruch hattest.
- Dein T-Score bei DEXA -2,5 oder niedriger ist.
- Du Osteopenie hast (T-Score zwischen -1 und -2,5) UND dein FRAX-Risiko über 20 % für einen schweren Bruch oder über 3 % für einen Hüftbruch liegt.
Das gilt für Frauen ab 65, Männer ab 50 - und auch für jüngere Menschen mit Risikofaktoren. Bei Diabetes, Schilddrüsenproblemen oder Hormonmangel wird nicht anders behandelt. Aber: Wer schon mehrere Brüche hatte, ist im Hochrisikobereich. Hier geht es nicht um Abwarten - hier brauchst du schnelle, starke Therapie.
Bisphosphonate: Wie sie wirken und was du beachten musst
Bisphosphonate wie Alendronat (Fosamax), Risedronat (Actonel) oder Zoledronsäure (Reclast) hemmen die Knochenabbauzellen - die Osteoklasten. Sie verhindern, dass dein Körper zu viel Knochenmasse verliert. Studien zeigen: Sie senken das Risiko für Wirbelbrüche um 40-70 %, für Hüftbrüche um 40-50 %. Das ist kein kleiner Effekt - das ist Leben rettend. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes, die sonst ein extrem hohes Risiko haben, reduzieren Bisphosphonate das Bruchrisiko trotz normaler BMD signifikant. Die Behandlung dauert meist 3-5 Jahre bei Tabletten, 3 Jahre bei jährlicher Infusion. Danach wird neu bewertet: FRAX + DEXA + klinischer Zustand. Keine lebenslange Einnahme - nur so lange, wie es nötig ist.
Was FRAX nicht kann - und was du zusätzlich brauchst
FRAX ist ein ausgezeichnetes Werkzeug - aber nicht perfekt. Es erfasst nicht die Mikrostruktur deiner Knochen. Deshalb gibt es den TBS (Trabecular Bone Score). Das ist eine zusätzliche Analyse, die aus denselben DEXA-Bildern berechnet wird und zeigt, wie gut dein Knochengewebe vernetzt ist. Bei endokrinen Erkrankungen wie Diabetes oder Hyperthyreose ist die Mikrostruktur oft beschädigt - auch wenn die Dichte normal ist. TBS verbessert die Risikoeinschätzung um bis zu 20 %. Einige Kliniken in Deutschland nutzen das schon. Und es wird sich durchsetzen. Auch die Entwicklung von diabetes-spezifischen FRAX-Anpassungen ist im Gange - Pilotstudien zeigen, dass sie die Genauigkeit um 25 % steigern können.
Was tun, wenn du Osteopenie hast - aber kein Bruchrisiko?
Viele Menschen mit endokrinen Erkrankungen haben Osteopenie, aber kein hohes FRAX-Risiko. Dann geht es nicht um Medikamente, sondern um Lebensstil. Bewegung - besonders Gewichtstraining und Balanceübungen - ist die beste Prävention. Vitamin D und Calcium sind Pflicht, aber nicht ausreichend. Rauchen aufhören, Alkohol reduzieren, Stürze vermeiden: Das sind die echten Grundlagen. Einige Ärzte verschreiben jetzt auch Denosumab, wenn Bisphosphonate nicht vertragen werden - aber das ist kein Erstlinientherapie bei endokrinen Störungen. FRAX bleibt das Fundament. Wenn dein Risiko unter 20 % liegt, brauchst du keine Medikamente. Aber du brauchst eine jährliche Kontrolle. Denn Hormonstörungen verändern sich. Was heute noch sicher ist, kann in zwei Jahren gefährlich sein.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft der Osteoporose-Therapie bei endokrinen Erkrankungen ist personalisiert. Künftig wird FRAX nicht nur deine Hormonstörung, sondern auch deine genetische Veranlagung, deine Blutwerte und deine körperliche Leistungsfähigkeit einbeziehen. Künstliche Intelligenz wird Muster erkennen, die Menschen nicht sehen - etwa, dass ein Patient mit Diabetes und niedrigem Vitamin D und schlechter Gangsicherheit ein Bruchrisiko von 40 % hat, obwohl sein T-Score nur -1,8 ist. Bis 2025 werden 85 % der Endokrinologen in Deutschland FRAX mit endokrin-spezifischen Anpassungen nutzen. Die großen Kliniken haben das schon. Die Frage ist nicht mehr, ob du FRAX brauchst - sondern ob dein Arzt es richtig anwendet.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du eine endokrine Erkrankung hast und über 50 bist (oder jünger, aber mit Risikofaktoren wie Rauchen, früherem Bruch oder langfristiger Cortisonbehandlung): Frag deinen Arzt nach FRAX. Lass dich nicht auf eine DEXA-Untersuchung allein verlassen. Zeige ihm deine Diagnose - Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Hypogonadismus - und frage: „Wie hoch ist mein 10-Jahres-Risiko für einen Hüftbruch?“. Wenn das Risiko über 3 % liegt, ist eine Behandlung sinnvoll. Wenn du Osteopenie hast und FRAX über 20 % ergibt - dann ist es Zeit, über Bisphosphonate nachzudenken. Und wenn du schon einen Bruch hattest - dann warte nicht. Behandlung beginnt sofort. Deine Knochen können nicht warten.
Ist FRAX auch für Männer mit endokrinen Erkrankungen relevant?
Ja, absolut. Männer ab 50 Jahren mit Diabetes, Hypogonadismus, Schilddrüsenüberfunktion oder langfristiger Cortisontherapie haben ein erhöhtes Bruchrisiko. FRAX wurde für beide Geschlechter entwickelt und berücksichtigt das Geschlecht automatisch in der Berechnung. Männer mit endokrinen Erkrankungen werden oft übersehen - aber ihr Knochenverlust ist genauso schnell wie bei Frauen. Jeder Mann mit einer dieser Erkrankungen sollte FRAX nutzen, um sein Risiko zu prüfen.
Kann ich Bisphosphonate nehmen, wenn ich Nierenprobleme habe?
Das hängt vom Grad der Niereninsuffizienz ab. Bei leichter Einschränkung (eGFR > 30 ml/min) sind die meisten Bisphosphonate sicher - aber die Dosis muss angepasst werden. Bei schwerer Niereninsuffizienz (eGFR < 30) wird Zoledronsäure nicht mehr empfohlen. Alendronat und Risedronat können unter strenger Überwachung verwendet werden. In solchen Fällen wird oft Denosumab als Alternative gewählt, da es nicht über die Nieren ausgeschieden wird. Ein Endokrinologe oder Nephrologe sollte die Entscheidung gemeinsam mit dir treffen.
Warum wird bei Diabetes das Risiko unterschätzt?
FRAX berücksichtigt die Knochendichte, aber nicht die veränderte Knochenqualität bei Diabetes. Bei Typ-1-Diabetes ist der Knochen zwar dicht, aber brüchig - wie ein altes Holzbrett. Die Mikrostruktur ist beschädigt, die Knochenzellen funktionieren nicht richtig, und Entzündungen beschleunigen den Abbau. FRAX kann das nicht messen - es sieht nur die Dichte. Deshalb unterschätzt es das Risiko um bis zu 30 %. Neue Versionen mit TBS und Diabetes-Adjustments sollen das korrigieren.
Wie oft muss ich eine DEXA-Untersuchung machen?
Wenn du Bisphosphonate nimmst, wird die erste Kontrolle nach 3-5 Jahren empfohlen. Wenn du nur Osteopenie hast und keine Medikamente nimmst, reicht eine Kontrolle alle 2-3 Jahre. Bei sich verändernden Hormonwerten - etwa bei Schilddrüsenüberfunktion oder Hormonersatztherapie - kann eine jährliche Kontrolle sinnvoll sein. Wichtig: Die DEXA muss immer am selben Gerät durchgeführt werden, sonst sind die Vergleiche ungenau.
Gibt es Nebenwirkungen von Bisphosphonaten?
Ja, aber sie sind selten. Die häufigste Nebenwirkung ist ein vorübergehender Magen-Darm-Beschwerden bei Tabletten - das lässt sich durch richtige Einnahme (nüchtern, mit viel Wasser, 30 Minuten aufrecht sitzen) vermeiden. Sehr selten (unter 0,1 %) kann es zu Osteonekrose des Kieferknochens kommen - besonders bei Zahnoperationen oder langfristiger Einnahme. Das Risiko ist bei kurzer Therapie (3-5 Jahre) extrem niedrig. Ein weiteres Risiko ist ein atypischer Femurbruch - aber das tritt nur nach mehr als 5 Jahren ein. Die Vorteile überwiegen bei hohem Risiko klar.
Was du nicht tun solltest
Nicht einfach abwarten, weil du dich „gesund“ fühlst. Nicht glauben, dass du keine Probleme hast, weil dein T-Score „nur“ -1,8 ist. Nicht auf eine DEXA-Untersuchung warten, ohne vorher FRAX zu nutzen. Und nicht auf Medikamente verzichten, nur weil du Angst vor Nebenwirkungen hast - besonders wenn dein Risiko über 3 % für einen Hüftbruch liegt. Ein Hüftbruch bei 65 ist nicht nur schmerzhaft - er reduziert deine Lebenserwartung um bis zu 20 %. Die richtige Behandlung mit FRAX und Bisphosphonaten kann das verhindern. Du hast die Kontrolle - nutze sie.
luis stuyxavi
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